Anilinleder

Als Anilinleder wird Leder bezeichnet, dass in einem Bad durchgefärbt wurde und die Lederoberseite keine Pigmentschicht erhält. Der Name Anilin stammt von Anilinfarbstoffe (auch Teerfarbstoffe) der aus Steinkohleteer gewonnen und daher den organischen Farbstoffen zugeordnet wird. Diese Anilinfarbstoffe sind wegen deren Gesundheitsschädlichkeit nicht mehr zulässig und werden bei der Lederherstellung nicht mehr verwenden. Anilinleder erscheint matt und das Porenbild ist deutlich erkennbar. Es fühlt sich im Gegensatz zu pigmentiertem Leder warm an. Aufgrund seiner Offenporigkeit weist es einen sehr schönen und weichen Griff auf.

Anilinleder ist naturbelassen

Da die natürlichen Eigenschaften des Hautmaterials und dessen natürliche Oberflächenstruktur auch nach der Durchfärbung sichtbar bleiben, werden lediglich wertvolle Leder für die Herstellung von Anilinleder eingesetzt. Unbrauchbar für die Herstellung von Anilinleder sind hierfür entsprechende Leder die Zeckenbisse, Hornstöße oder Dornenrisse oder sonstige Hautschäden aufweisen, da diese Makel durch das Färben zusätzlich betont werden. Daher wird nur ein kleiner Teil der Häute in Gerbereien zu Anilinleder verarbeitete - i.d.R. werden nur Zahmhäute für Anilinleder verwendet.

Anilinleder ist sehr empfindlich

Die Poren von Anilinleder sind nicht versiegelt. Es ist daher sehr empfindlich und anfällig gegenüber Schmutz und Ausbleichungen durch UV-Licht. Im Laufe der Zeit entsteht aufgrund der Offenporigkeit und Empfindlichkeit die für Anilinleder charakteristische Patina. Die Empfindlichkeit des Anilinleders kann zudem durch eine sehr schwache Pigmentschicht, die das natürliche Nabenbild des Leders nicht überdeckt, verbessert werden. Das Leder ist durch die leichte Pigmentierung besser geschützt, wenngleich nicht so gut wie pigmentiertes Glattleder. Allerdings sprechen Fachleute in diesem Fall nicht mehr von „echtem“ Anilinleder bzw. Reinanilin, sondern von Semianilinleder.

Einsatzgebiete von Anilinleder.

Anilinleder können prinzipiell überall eingesetzt werden. Sie eignen sich aber vorrangig in Bereichen, in denen das Leder nicht zu stark strapaziert wird. Hierzu gehören insbesondere die Bekleidungs-, Taschen- und Schuhindustrie. In der Autoindustrie entspricht Anilinleder aufgrund seiner Empfindlichkeit nicht den Anforderungen der Industrie. Für die Möbelherstellung eignet sich reines Anilinleder ebenfalls nicht, da Möbel aus Anilinleder sehr flecken-, reib- und lichtempfindlich sind.

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