Alcantara

Alcantara
Alcantara Stoff - adobe.com/alexdemeshko

Alcantara ist ein lederähnlicher Mikrofaserstoff. Er wurde ursprünglich in Japan synthetisiert, die Ausgangsstoffe sind Polyester und Polystyrol. In Japan nennt man den Stoff auch Ecsaine, in den USA Ultrasuede.

Entstehung und Entwicklung

Obwohl Alcantara dem Wildleder ähnelt, hat er stofflich mit diesem nichts zu tun. Der japanische Chemiker Miyoshi Okamoto entwickelte ihn 1970 für das Unternehmen Toray Industries, das ihn gemeinsam mit der italienischen Gruppo ENI weiterentwickelte und zur Marktreife brachte. Das Ziel bestand in der Entwicklung eines Textils, das eine Alternative zu dem in Japan stets knappen Leder bot. Seit 1974 wird Alcantara in Lizenz ausschließlich im italienischen Werk des Unternehmens Alcantara S. p. A. mit Sitz in Nera Montoro (Umbrien) produziert.

Herstellung von Alcantara

Bei der Produktion entsteht mit dem chemischen Verfahren der Extrusion aus der Mischung der Grundkomponenten ein sehr dünner Faden. Mit diesem lassen sich besonders weiche Materialien produzieren. Ihre anschmiegsame Oberfläche erinnert sehr stark an Veloursleder. Auf den ersten Blick und auch beim Anfassen ist der Unterschied kaum zu bemerken. Die Herstellung von Alcantara ist zeitintensiv und aufwendig. Daher ist es ein hochwertiges und teures Material, einen Preisvorteil gegenüber Leder gibt es nicht. Diesem gegenüber hat Alcantara sogar einige Vorteile, weil es durch seine industrielle Herstellung eine sehr gleichmäßige Qualität aufweist. Bei der Verarbeitung ergibt sich dadurch ein deutlich geringerer Verschnitt, was die Kosten senkt. Die Textilbetriebe beziehen das Material für die Weiterverarbeitung als Meterware in verschiedenen Breiten. Es ist leicht, das Gewicht gegenüber echtem Leder beträgt nur rund 50%. Fertige Alcantara-Kleidung kann bis 40 °C in der Maschine gewaschen werden. Der Zuschnitt für die Verarbeitung ist mehrlagig möglich.

Verwendung von Alcantara

Das Material kommt für Bekleidung, als Möbelbezugsstoff und als Bezugsmaterial für Autositze zum Einsatz. Bei diesen beziehen einige Hersteller die Mittelbahn eines Sitzes mit Alcantara, die Flanken (Außenflächen) hingegen mit Glattleder. Diese Kombination wird als “Teillederausstattung” des Fahrzeugs bezeichnet. Auch die Bezeichnung als “Alcantara-Leder-Ausstattung” ist üblich, allerdings leicht irreführend: Alcantara ist kein Leder. Es kann gegenüber echtem Leder etwas schneller verschleißen, wobei sich Knötchen bilden und die Verschleißbereiche ausfilzen (so genanntes “Pilling”). Dieser Nachteil ist aber akzeptabel angesichts der vielen positiven Eigenschaften von Alcantara. Es fühlt sich anschmiegsam an, ist strapazierfähig, antistatisch, reinigungsfreundlich, elastisch, atmungsaktiv und allergieneutral. Auch lässt es sich faltenfrei aufspannen. Zudem sind in der Farbgebung unbegrenzte Varianten möglich. In höheren Ausstattungslinien von Autos gilt Alcantara inzwischen als Bezugsstoff der Wahl.

Weitere Informationen